Mehr als 750 Neonazis folgten dem Aufruf des NW Dortmund zum sogenannten Nationalen Antikriegstag und demonstrierten – geschützt von einem Aufgebot von rund 5000 Bullen – durch die Nordstadt. Relevante Störungen im Ablauf der Nazidemo gab es wenige.
Als “Erfolg” werten den Tag alle Seiten: Nazis (“nationale[r] Widerstand marschierte”), Zivilgesellschaft, DSSQ, Alerta! – und mit Abstrichen auch die Polizei. Man habe entschlossen Widerstand geleistet, den Aktionskonsens aufrecht erhalten und konsequent die gewaltbereiten Lager beider Seiten getrennt.
Die Hoffnung, dem “Nationalen Antikriegstag” in den kommenden Jahren politisch beizukommen, sei es durch Verbote, wie sie sich Law-and-Order Betonköpfe ausdenken, oder durch ein wie auch immer geartetes “verändertes Klima” – wird u.a. genährt durch die Abdankung Pensionierung von PolPräses Hans Schulze im Herbst (meint das also schlicht Bullen, die nicht Knüppeln, wenn sich die lokale Politprominenz mit Fähnchen auf die Straße setzt?). Doch zerschlägt sich diese Hoffnung sehr schnell angesichts der reflexhaft ausgepackten Extremismuskeule (Schulze: “angereiste Krawalltouristen”, OB Sierau: “Nazis [...] missbrauchen Dortmund [...] als Aufmarschort”), welche den “Antifaschismus” des Staatsapparats sehr schön bloßstellt: Dortmund hat kein Problem mit Neonazis Extremisten, Dortmund ist demokratisch. Die Idealisten eben jener Demokratie, letztlich das Fußvolk dieser geistigen Totalausfälle (und hier sind nicht die staatstragenden Hooligans gemeint) – Parteijugenden, demokratische Jugendverbände und Arbeitskreise gegen Rechtsextremismus können einem dann nur leidtun.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass trotz der Fortschritte in diesem Jahr nur durch eine noch offensivere Antifa-Mobilisierung überhaupt daran zu denken ist, den Naziaufmarsch ernsthaft zu be- oder gar zu verhindern. Der kurze, aber heftige Riot als praktische Negation des staatstragenden Antifaschismus war die richtige Reaktion auf literweise Pfefferspray und Bullenschikane (noch dazu ungeeingnet als Anknüpfungspunkt für ein demokratisches Dortmund) – dem Ziel den Naziaufmarsch zu verhindern war er nicht zuträglich.
Außerdem zeigt die Teilnehmer*innenkurve der Nazis erneut nach unten, die Mobilisierungsschwäche setzt sich trotz enormer Materialschlacht im Osten (und auch allen anderen Himmelsrichtungen) fort. Jedoch könnte sich dieser Trend durch den Erfolg, einfach mal gegangen zu sein, wieder umkehren.
*Hans Schulze, Polizeipräsident, wünscht sich, dass die Rechten einfach mal durch leere Straßen laufen – damit man sie weder sehen noch hören kann. Aus den Augen, aus dem Sinn?

